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Der Streit um die Video-Plattform offenbart, dass der Kampf um das Internet zwischen den USA und China bereits in vollem Gange ist. Die große Frage: Was macht Europa?

Vor einigem Monaten war Tiktok noch ein Phänomen in Schulen und Kinderzimmern, heute ist die Video-App aus China ein Politikum. Ob das US-Geschäft am Ende an Microsoft geht oder eingestellt werden muss – fest steht, dass nach den Drohungen von Donald Trump allen klar ist: Die Zeiten, in denen chinesische Konzerne ungehindert weltweit Geschäfte machen können, ist endgültig vorbei. Das Misstrauen der US-Regierung bezüglich der Daten von US-Kids ist das neueste Kapitel einer Auseinandersetzung, welche die Zukunft des Internets bestimmen wird.

China sperrt schon lange US-Konzerne wie Google und Facebook aus. Seit Monaten setzen die USA alle Hebel in Bewegung, den chinesischen Marktführer Huawei beim Thema 5G zu behindern. Mit Tiktok kommt nun zum ersten Mal ein reiner Softwarehersteller ins Visier der Amerikaner. Sicherheitsexperten haben Angst, dass die über 160 Millionen Nutzer in den USA zu Spionen für China werden, wenn sensible Daten von Smartphones nach Peking übermittelt werden.

Die Welt muss sich wohl darauf einstellen, dass es mindestens 2 Internets geben wird, so lange sich die USA und China als geopolitische Kontrahenten verstehen. Auf der einen Seite chinesische Hard- und Software, die dank niedriger Preise wohl weiter in Asien und Afrika zum Einsatz kommen wird. Auf der anderen Seite Lösungen aus den USA und Europa, die sicherstellen, dass die kommunistische Partei keinen Zugriff auf sensible Daten und Infrastruktur bekommt.

USA auf der einen, China auf der anderen Seite – Europa steht zwischen den Stühlen? Die Regierungen in Deutschland und Frankreich wollen sich den chinesischen Markt nicht verbauen, bekommen aber immer stärkeren Druck aus den USA, Sanktionen und Verbote wie bei Huawei zu unterstützen. Wahrscheinlich versuchen die Europäer, endgültige Entscheidungen bezüglich Tiktok, Huawei und Co noch zu verzögern, bis im kommenden Jahr ein neuer US-Präsident im Weißen Haus sitzt. Auch eine demokratische Administration dürfte den harten Kurs gegen China fortfahren – aber versuchen, die EU als Partner dafür zu gewinnen. Ein wesentlich angenehmere Position als heute, wo Donald Trump seine Forderungen mit Drohungen, Zöllen und Sanktionen durchzusetzen versucht.

Eines dürfte den Verantwortlichen in Paris, Berlin und Brüssel aber klar sein: Der Aufbau eigener digitaler Infastruktur für die EU wird mittelfristig unerlässlich. Datenleitungen, Coud-Speicher und Chips sind so wichtig, dass man sie nicht dem Zweikampf zwischen China und den USA aussetzen kann, wenn man geopolitisch nicht komplett zum Spielball der Großmächte werden will. Mit Gaia X ist der Grundstein gelegt.