SAP enttäuscht – nicht ganz überraschend

Deutschlands einziger Tech-Riese hinkt beim Cloud-Business hinterher und muss schlechte Zahlen melden. Was Patente über die Wettbewerbssituation verraten.

Auf die Gewinnwarnung reagierten die Aktionäre mit einem Schock: Um 20 Prozent brach die SAP-Aktie in der letzten Oktoberwoche ein – der gröpte Tagesverlust seit 20 Jahren. Aktionäre sind vom einzigen deutschen Software-Unternehmen von Weltrang vor allem eines gewohnt: Beständigkeit. Weil SAP wie Oracle fest in die Infrastruktur von Unternehmen verwurzelt ist, gibt es keine Kunden, die leichtfertig auf die Dienste von SAP verzichten. Das macht das Geschäft mit Softwarelizenzen so stabil und berechenbar – eine Tatsache, die Anteilseigner lange hohe Bewertungen tolerieren ließ. Wenn dann aber das Außergewöhnliche passiert und nicht nur die akuellen Zahlen sondern auch die mittelfristige Prognose gesenkt wird, ist der Absturz bei solchen Aktien oft umso heftiger.

Man kann die SAP-Probleme als Corona-Sonderfall abheften. Fast alle Unternehmen sind auf Sparkurs, da sind Investitionen in neue SAP-Systeme nicht gefragt. Aber das wäre zu kurz gesprungen. Denn während SAP Schwierigkeiten hat, zu wachsen, eilen jüngere Software-Unternehmen wie ServiceNow (unter Ex-SAP-CEO McDermott) oder Salesforce zu neuen Rekorden. Die Schwierigkeiten bei der Umstellung zu Cloud-basierten Diensten waren vorher bekannt, unter dem Brennglas der Pandemie werden sie offensichtlich.

Ein Blick auf die Branche hinsichtlich Patentstärke verdeutlicht: Die Schwergewichte SAP und Oracle kommen weder bei Wachstum noch bei Qualität des Patentportfolios mit Salesforce oder gar ServiceNow mit. Auffällig: Mit Atlassian, Splunk und ServiceNow sind gleich 3 Unternehmen mit hohen Wachstum und hoher Qualität dort platziert, wo man als Unternehmen im Vergleich stehen möchte, die alle drei für Aktionäre in den vergangenen 3 Jahren enorme Kursgewinne liefern konnten:

SAP hat angekündigt, neben Sparmaßnahmen zu ergreifen auch strukturelle Investitionen zu tätigen, die erst einmal weiter die Marge drücken. Kurzfristig hat das Aktionäre enttäuscht. Für Langfristanleger ist das aber ein Signal: SAP hat seine Innovationsprobleme erkannt und will reagieren, um langfristig wieder aufschließen zu können. Und so wird die Aktie auch wieder für ein Investment in unserem Fonds Quant IP Global Innovation Leaders interessanter.

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